Skala der Ausbildung

Die Geraderichtung

Geraderichten bedeutet, dass das Pferd in Stellung und Biegung mit den Hinterhufen in die Spur der Vorderhufe einfußt. Erreicht werden soll mit der Geraderichtung die gleichmäßige Belastung der Vorder- und Hinterbeine. Nur ein geradegerichtetes Pferd kann den nächsten Schritt der Ausbildung, die Versammlung, erreichen.

Geraderichten hat nichts mit Geradeausreiten zu tun, sondern wird vor allem durch das beidseitige Reiten auf gebogenen Linien gefördert. Die natürliche Schiefe des Pferdes soll ausgeglichen werden, um einem vorzeitigen, einseitigen Verschleiß vorzubeugen.

Im ungeschulten Zustand kann sich das Pferd auf zwei Hufschlägen besser ausbalancieren. Vier Fünftel aller Pferde sind nach rechts schief, d.h. das Pferd tritt mit dem rechten Hinterhuf seitlich rechts neben die Spur des rechten Vorderfußes. Die vom rechten Hinterbein entwickelte Schubkraft wirkt somit diagonal über die linke Schulter des Pferdes und belastet vermehrt den linken Vorderfuß. Es besteht die Gefahr vorzeitiger Verschleißerscheinungen des linken Vorderbeines.

Wann ist mein Pferd geradegerichtet?

  • Wenn die Hinterhand und die Vorhand aufeinander einspuren
  • Wenn die Schubkraft der Hinterhand voll in Richtung unter den Schwerpunkt des Pferdes wirkt.

Das Geraderichten eines Pferdes beginnt schon damit, dass das junge Pferd vor dem Anreiten an der Longe sein Gleichgewicht auf beiden Händen schult. Schon hier wird gegen die natürliche Schiefe gearbeitet, da das Pferd auch auf der „festen“ Seite auf einem Zirkel gehen muss.

Die „geraderichtende Biegearbeit“ beginnt mit den einfachen Wendungen (Durchreiten der Ecken, Schlangenlinien, Zirkel, Volten). Anspruchsvollere Übungen sind das Schultervor und das Reiten-in-Stellung, die schließlich zum Schulterherein führen. Die echten Seitengänge fördern weiter die Beweglichkeit des Pferdes und erreichen zunehmend durch eine beidseitige Biegung, dass das Pferd geradegerichet wird. Die geraderichtende Biegearbeit ihrerseits ist für die Versammlung unerlässlich, da nur so die Hinterhand gleichmäßig viel Last auf beiden Hinterbeinen aufnehmen kann, ohne dass eine Seite ausbricht statt unter den Schwerpunkt zu treten.