Skala der Ausbildung

Die Versammlung

Versammlung bedeutet, dass die Hinterhand des Pferdes vermehrt die Last des Reiter- und Pferdegewichts aufnimmt. Definiert wird sie als „derjenige Zustand des Pferdes, in welchem es zur Zusammenfassung aller Kräfte zu einem bestimmten Zweck seine Vorhand durch vermehrte Lastaufnahme der gebeugt untertretenden Hinterhand erleichtert“. Bedeutsam ist die Versammlung nicht nur für das Dressurreiten, sondern – wenngleich in geringerem Maße – auch für das Springen und die Vielseitigkeit.

Quelle: Klaus Schöneich Zentrum für Anatomisch richtiges Reiten® & Schiefen-Therapie®

versammeltes Pferd

Pferd auf der Vorderhand

Laut Dressur-Richtlinien der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) dient die Versammlung erstens dazu, das Gleichgewicht des Pferdes, das durch das zusätzliche Reitergewicht gestört wird, zu entwickeln und zu verbessern. Zweitens soll die Fähigkeit des Pferdes erhöht werden, die Hinterbeine mehr zu beugen, damit die Vorhand entlastet und beweglicher wird. Drittens trägt die Versammlung zur Leichtigkeit und Selbsthaltung des Pferdes bei und macht das Reiten angenehmer. Je nach Versammlungsgrad „können Haltung und Durchlässigkeit bis zu ihrem Höchstmaß gesteigert werden“. Der „durchlässige Gehorsam in der Versammlung“ ist nach Seunig die „Krone der Ausbildung“. Er macht darauf aufmerksam, dass aber „nicht alle Pferde“ den gleichen hohen Versammlungsgrad erreichen können. Wenn ein Pferd jedoch in der Lage ist, „sich zeitweise bis zu einer Selbsthaltung versammeln zu lassen, bei welcher vorderes und hinteres Beinpaar je die Hälfte der Last zu tragen hat und die so weit geht, daß bei einzelnen Lektionen die Hinterhand den überwiegenden Teil der Last, wenn nicht sogar ihre Gesamtheit willig und elastisch federnd aufnimmt“, ist es „allen anderen Pferden überlegen“.

Zum Erreichen und zur Verbesserung der Versammlung werden so genannte versammelnde Lektionen gearbeitet. Ihre Vervollkommnung ist zugleich ein Maß für die zunehmende Versammlungsfähigkeit des Pferdes.

  • Tempowechsel im Trab und Galopp (unter Beibehaltung von Takt und Schwung)
  • Gangartwechsel und ganze Paraden
  • Einfacher Galoppwechsel
  • Rückwärtsrichten
  • Arbeit auf gebogenen Linien inklusive Außenbiegung und -stellung sowie Zirkel verkleinern und vergrößern
  • Volten
  • Vorbereitung der Seitengänge durch Schenkelweichen, Übertreten, Schultervor oder Kruppevor

Ist ein ausreichendes Maß an Versammlung hergestellt, können auch Lektionen gefordert werden, die nur aus der Versammlung heraus fehlerfrei geboten werden können.

  • Außengalopp
  • Kurzkehrtwendung
  • Hinterhandwendung
  • Schrittpirouetten
  • Seitengänge wie Schulterherein, Renvers / Travers, Traversalen
  • fliegender Galoppwechsel
  • Piaffe/Passage

Die Beherrschung der Versammlung erfordert ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Pferd und Reiter, Kondition und Muskelkraft des Pferdes. Sie wird mit fortschreitender Ausbildung des Pferds immer stärker verlangt und findet in den Lektionen der Hohen Schule ihren Höhepunkt.

Hierbei ist in den Lektionen der klassischen Reitkunst eine logische Abfolge immer stärkerer Versammlung zu erkennen, in der Reihenfolge:

  • Piaffe / Passage (deutliche Absenkung der Hinterhand zum Trab (fast) auf der Stelle bzw. mit Druck nach oben)
  • Levade / Pesade (das gesamte Gewicht liegt ausschließlich auf den Hinterbeinen)
  • Kapriole / Courbette (zusätzlich zum Tragen seines Gesamtgewichts kann das Pferd sich aufgrund seiner großen Kraft noch mit den Hinterbeinen vom Boden schnellen)